Was ein Barcamp von einer Konferenz unterscheidet
Auf einer Konferenz steht das Programm Wochen vorher fest. Auf einem Barcamp entsteht es am Morgen des Veranstaltungstages – von den Menschen, die tatsächlich im Raum sitzen. Deshalb heißt das Format auch Unkonferenz.
Der Unterschied ist keine Formalie, sondern verschiebt die Rollen: Es gibt keine Bühne und kein Publikum. Wer eine Session anbietet, muss kein Experte sein – eine offene Frage reicht völlig. Die spannendsten Sessions beginnen oft mit „Ich verstehe X nicht, wer hat damit Erfahrung?“ statt mit einer fertigen Antwort.
Der Ablauf
- 1
Ankommen und Vorstellungsrunde
Jede Person nennt Namen und drei Schlagworte. Klingt banal, ist aber der Kern: Danach weiß der Raum, wer welches Wissen mitbringt – und das entscheidet später, welche Sessions zustande kommen.
- 2
Sessionplanung
Wer ein Thema anbieten will, stellt es in einem Satz vor. Per Handzeichen wird das Interesse geprüft, dann wandert die Session auf das Sessionboard – ein Raster aus Räumen und Zeitslots. Das dauert 30 bis 45 Minuten und ist der wichtigste Programmpunkt des Tages.
- 3
Die Sessions
Meist 45 Minuten, parallel in mehreren Räumen. Es gilt das Gesetz der zwei Füße: Wer merkt, dass eine Session nichts für ihn ist, geht einfach. Das ist ausdrücklich erwünscht und kein Affront.
- 4
Abschlussrunde
Kurzes Feedback im Plenum. Hier zeigt sich, welche Themen für ein nächstes Mal weiterleben.

Was ihr wirklich braucht
- Einen großen Raum für Plenum und Sessionplanung, plus zwei bis fünf kleinere Räume für die parallelen Sessions.
- Ein Sessionboard – im einfachsten Fall eine Pinnwand mit Moderationskarten. Digital geht auch, analog ist meist lebendiger.
- Eine Moderation, die den Ablauf hält, ohne inhaltlich zu führen. Das ist die anspruchsvollste Rolle des Tages.
- Verlässliche Pausen und gutes Essen. Auf einem Barcamp passiert mindestens die Hälfte des Wertvollen zwischen den Sessions.
- Eine Teilnehmerzahl, bei der sich alle noch begegnen können – jenseits von etwa 150 Menschen verliert das Format seine Intimität.

Die drei häufigsten Fehler
- Ein heimliches Programm: Wenn Sponsoren feste Slots bekommen, ist es kein Barcamp mehr. Die Teilnehmenden merken das sofort – und ziehen sich zurück.
- Zu wenig Zeit für die Sessionplanung: Wer sie auf 15 Minuten kürzt, spart am falschen Ende. Ohne saubere Planung zerfasert der ganze Tag.
- Keine Erklärung des Formats: Für viele ist es das erste Barcamp. Ohne kurze Einführung in die Spielregeln trauen sich zu wenige, eine Session anzubieten.
Web Engineering Unconference
Die WEUC ist ein mehrtägiges Barcamp für Entwicklerinnen, DevOps, Architekten und Product Owner – getragen vom boot e.V., zuletzt im Meliá Innside Bosque auf Mallorca. Bewusst auf rund 100 Teilnehmende begrenzt, damit die familiäre Atmosphäre erhalten bleibt.
Das Leitmotiv dort bringt das Format auf den Punkt: „You name the topic, we find the speaker.“ Die Sessions reichen von Web-Performance und Software-Architektur über KI-Werkzeuge und DevOps bis zu Mental Health und Ethik in der Entwicklung – Themen, die auf einer klassischen Agenda selten nebeneinander stehen.



Ein Barcamp für euch
Ob als internes Format für ein Team oder als offene Veranstaltung für eure Branche: Wir konzipieren das Format, moderieren die Sessionplanung und halten den Tag zusammen – damit ihr selbst teilnehmen könnt, statt zu organisieren.
Barcamp anfragen
